Saris
Der Saree: Sechs Meter Geschichte
Vom Industal bis auf den roten Teppich: warum ein ungenähtes Stück Stoff das vielleicht eleganteste Kleidungsstück der Welt ist — und wie Sie es tragen.

Ein Saree ist kein Kleid und kein Stoffballen — er ist beides zugleich: fünf bis neun Meter Gewebe, die erst am Körper zur Form finden. Genau darin liegt seine Genialität. Jede Trägerin formt ihn neu, jeden Tag, für jeden Anlass.
Älter als die meisten Moden dieser Welt
Drapierte, ungenähte Kleidung hat auf dem indischen Subkontinent eine jahrtausendealte Geschichte: Schon Figurinen der Indus-Kultur zeigen gewickelte Tücher, und in der Sanskrit-Literatur taucht der Begriff „sati" — Stoffbahn — früh auf. Während Europa Schnittmuster und Korsette entwickelte, perfektionierte Südasien das Gegenteil: ein Kleidungsstück ohne eine einzige Naht, das jeder Körperform folgt.
Mehr als hundert Arten, einen Saree zu binden
Die heute bekannteste Drapierung — über der linken Schulter, mit gelegten Falten vorn — heißt Nivi-Stil und stammt aus Andhra Pradesh. Sie ist aber nur eine von vielen: Die Textilforscherin Rta Kapur Chishti hat über hundert regionale Wickelarten dokumentiert, vom bengalischen Atpoure mit den Schlüsseln am Pallu-Zipfel bis zur Nauvari-Drapierung Maharashtras, die wie eine Hose gebunden wird. Bluse (Choli) und Unterrock, heute selbstverständlich, verbreiteten sich übrigens erst in der Kolonialzeit des 19. Jahrhunderts.
Was einen Saree kostbar macht
Beim Saree zählt das Gewebe, nicht der Schnitt. Ein Banarasi aus Varanasi — seit der Mogulzeit berühmt für Brokat mit Gold- und Silberfäden (Zari) und seit 2009 durch eine geschützte Herkunftsbezeichnung (GI) abgesichert — kann Wochen auf dem Handwebstuhl brauchen. Ein Kanjeevaram aus Tamil Nadu trägt schwere Seide mit kontrastierender Borte. Ein Jamdani aus Bangladesch wirkt wie gewebte Luft (ihm widmen wir einen eigenen Beitrag). Und ein leichter Georgette- oder Chiffon-Saree ist der unkomplizierte Einstieg für jede Feier.
Welcher Saree für welchen Anlass?
Für Hochzeiten und Walima: Banarasi, Kanjeevaram oder reich bestickte Seide in satten Tönen. Für Eid und festliche Abende: Jamdani, Chiffon mit feiner Stickerei, dezentes Zari. Fürs Standesamt oder die Dinner-Party: einfarbige Seide oder Crêpe mit Statement-Schmuck. Unsere Faustregel: Je aufwendiger das Gewebe, desto ruhiger der Schmuck — und umgekehrt.
Keine Angst vor sechs Metern
Niemand wird mit Saree-Routine geboren. Mit einem gut gebundenen Unterrock, zwei Dutzend Sicherheitsnadeln Erfahrung und zehn Minuten Übung sitzt die Nivi-Drapierung erstaunlich schnell. Und falls nicht: Schreiben Sie uns — wir helfen persönlich, per Nachricht oder Videoanruf. So verstehen wir Service.
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